Noch ist alles möglich, ein schlechtes oder ein gutes Ergebnis. An diesem letzten Verhandlungstag bietet sich die Chance für ein neues Klimaabkommen.
23 h 00 : In der buchstäblich letzten Minute ist es in Kopenhagen bei der 15. UN-Klimakonferenz zu einer Schlusserklärung gekommen, aber nur zu einer sehr entäuschenden. „Unzureichend“ ,nach Barack Obamas eigener Einschätzung. Der amerikanische Präsident selbst hatte den in Kopenhagen erzielten Kompromiss unmittelbar vor seiner Abreise angekündigt. Obama musste auch einräumen, dass der Weg zu einem für alle bindenden Abkommen noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Über das Problem des CO2-Ausstosses soll im kommende Januar erneut diskutiert werden. Einig waren die Delegationen in der Frage, die Erhöhung der globalen Erderwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu beschränken. Ein Versuch in diese Richtung sollte unternommen werden.
20 h 30 : Eine ungewöhnliche Situation : das Gerücht wird verbreitet, dass Präsident Obama eine Pressekonferenz geben wird. Unruhe im Lager von 1000 Journalisten, keiner will diesen Augenblick verpassen. Viel Unruhe, Gewühl und Gedränge am Eingang des Auditoriums. Panik bei den Sicherheitskräften….alles umsonst. Die Quelle der Gerüchte war wohl nicht sehr seriös. Es wird angekündigt, dass die Gespräche um 23 Uhr, nach dem offiziellen Abendessen fortgesetzt werden sollen. Neue Informationen wird es wohl erst in den frühen Morgenstunden geben.
19 h 15 : Kleiner Hoffnungsschimmer am Ende dieses Tages. Barack Obama und Wen Jiabao haben sich für den Abend zu einer neuen Gesprächsrunde verabredet. Nach ihrer ersten Unterredung am Nachmittag war aus beiden Delegtionen zu hören, dass es Fortschritte gegeben hätte. Der russische Präsident Dmitri Medvedev hat Kopenhagen bereits verlassen, er überlässt es seinem Chefunterhändler den weiteren Verlauf der Klimagipfels zu beobachten.
18 h 00 : Barack Obama ist immer noch im Bella Center. Der amerikanische Präsident wollte ursprünglich nur etwa fünf Stunden in der dänischen Hauptstadt bleiben. Nun sitzt er mit den anderen in der Falle, weil dieser Gipfel hier nicht von der Stelle kommt und wohl nicht auf ein erfolgreiches Ende zusteuert. Offiziell hätte diese 15. Klimakonferenz schon vor wenigen Minuten beendet sein müssen. Aber noch immer diskutieren einige Staatschefs über den Text einer politischen Erklärung, die nur noch sehr wenige verbindliche Elemente enthalten wird. Selbst die Absicht, bei der Folgekonferenz in Mexiko im Jahre 2010 weitere Schritt nach vorne zu gehen, scheint nun nicht mehr in der Abschlusserklärung enthalten. Ein schlechter Abschluss oder überhaupt kein Abschluss hier in Kopenhagen ? Das Ergebnis scheint hier zur Stunde festzustehen : es wird kein Übereinkommen geben
17 h 00 : Die Gesprächsrunden zwischen” Gruppen mit gleicher Interessenslage” werden hinter verschlossenen Türen fortgesetzt. Parallel dazu führen zahlreiche Staatschefs Verhandlungen unter vier Augen. Im Pressezentrum stellt man sich auf neue Wartezeiten ein, kaum einer glaubt noch an den großen Paukenschlag. Nach den sehr wenigen Informationen, die im Umlauf sind, soll der neue Vorschlag für ein Abschlussabkommen nicht mehr den Passus enthalten, dass im Laufe des Jahres 2010 in den einzelnen Ländern eine verbindliche Klima-Gesetzgebung erfolgen muss. Man erwartete einen Schritt nach vorne, um doch noch eine Unterzeichnung des Schlussprotokolls zu erreichen. Jetzt besteht wieder das Risiko, dass es eher einen Schritt zurück geben wird.
15 h 30 : Nicolas Sarkozy nutzt eine Unterbrechung der Plenarsitzung, um mit den Journalisten im Bella Center zu sprechen. Für ihn sei klar, dass China die Verhandlungen blockiere, „ weil es ein Land ist, das Schwierigkeiten damit hat, der Einrichtung von Kontrollmechanismen zuzustimmen“. Der Pekinger Führung wird von allen Industrienationen vorgeworfen, die ganze Welt über seinen tatsächlichen CO2-Ausstoss im Unklaren zu lassen. Im übrigen ist aus Elyséekreisen zu hören, dass für diese Nacht für weitere Hotelunterkünfte gesorgt worden sei. Wird der Klimagipfel tatsächlich in eine Verlängerung gehen?
14 h 30 : Die französische Europaabgeordnete Sandrine Bélier berichtet am Telefon von ihrer großen Enttäuschung. Sie hat den Kopenhagener Klimagipfel bereits verlassen, unmittelbar nach der Rede von Präsident Barack Obama.

„ Wenn die Amerikaner nicht ehrlich mit uns umgehen, was haben wir dann hier noch zu suchen? „ Und sie fügt hinzu: „Die Zahlen der Amerikaner sind lächerlich, sie hätten besser geschwiegen“. Und Sandrine Bélier fragt auch, „warum sich die Europäische Union auf eine Reduktion von 20 Prozent festgelegt hätten, die je nach den Angeboten der anderen Delegationen auf 30 Prozent erhöht“ werden könnten. Dieser Klimagipfel steuert auf ein Scheitern zu. Bélier vergleicht: „ Nehmen Sie eine internationale Konferenz über Sicherheit im Straßenverkehr. Alle sind sich darüber einig, dass die Geschwindigkeit begrenz werden muss….aber im Endeffekt kann man sich nicht entscheiden, wo genau die Begrenzung liegen soll“. Und noch eine Stimme aus Europa: Kommissionspräsident José Manuel Barosso scheint sich auch mit einem Scheitern des Gipfels abgefunden zu haben. Er schlägt vor, weiter in die Zukunft zu schauen „ und an Mexiko 2010 zu denken“, dort soll im kommenden Jahr ein weiterer UN-Klimagipfel folgen.
13 h 45 : Meles Zenawi, Ministerpräsident von Äthiopien, berichtet von den Risiken, die seinem armen Land drohen. Für ihn darf der Klimagipfel nicht scheitern, das wäre „ ein Völkermord durch unterlassenes Handeln“. Dem schließt sich auch Jacob Zuma an, er ist der Präsident Südafrikas. „Die historische Verantwortung geht zu Lasten der Industrienationen, die 80 Prozent aller Schadstoffe produzieren und ausstoßen“. Zuma fordert „ein verbindliches Abkommen für alle unter Berücksichtigung des Schadstoffausstoßes jedes einzelnen Landes“.
12 h 45: Nein, Präsident Obama wird diese Klimakonferenz nicht retten. Vor den anderen Staats- und Regierungschefs hat er vorerst nur seine Bereitschaft erklärt, gegen den Klimawandel anzukämpfen. Er sagte: „Es geht hier nicht um Fiktion, es geht um Wissenschaft“. Man wäre beinahe versucht, diesen Klimagipfel „COP 15 „ in der Kategorie schlechte Science Fiction abzuheften. Der Friedensnobelpreisträger hat die drei Leitmotive der amerikanischen Politik unterstrichen: Klimadämpfung, Transparenz und Finanzierung. Aber auch er hat nicht die entscheidenden Worte gesagt, die hier zu einem Durchbruch führen könten.
12 h 30 : Am Rednerpult lässt der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao keinen Zweifel am “Verantwortungsbewusstsein” und der “Entschlossenheit” seines Landes.

Das Auftreten des chinesischen Ministerpräsidenten sorgt im Pressezentrum für einige Verwirrung.
China habe ” bedingungslose Konditionen” akzeptiert und erwarte nun eine ähnliche Haltung der übrigen Nationen. Mit anderen Worten: China ist nicht zu einer Veränderung seiner Position gegenüber den USA bereit, die hier in ganz ähnlicher Weise auftreten. Gegenüber dieser Blockadepolitik der beiden Großmächte hat der brasilianische Präsident Lula seiner “Frustration” freien Lauf gelassen. In scharfen Worten sagte er: ” Je länger wir über Klimafragen reden, je klarer wird uns, dass die Probleme viel gravierender sind, als wir uns das alle vorgestellt hatten”. Soll das heißen: je länger verhandelt wird, desto unwahrscheinlicher wird eintragfähiges Abkommen ?
12 h 00 : Eröffnung der heutigen Plenarsitzung. Der dänische Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen erinnert alle Teilnehmer an ihre “moralische Verpflichtung” und fügt hinzu: “Wir kommen nicht alle Tage zusammen, um unsere Welt zu verändern” ! Ban Ki Moon, der UNO-Generalsekretär versucht sich in Überredungskünsten, verbreitet Zuversicht und meint: ” Wir waren einem Abkommen noch nie so nahe. Wir müssen nur noch ein paar Gräben überwinden”.
11 h 30 : Die Zeit scheint angehalten, im Bella Center. Keine weiteren Gerüchte, nichts bewegt sich. “Haben Sie Geduld” mahnt Connie Hedegaard, die dänische Umweltministerin und ehemalige Präsidentin dieser Klimakonferenz. Je mehr Zeit vergeht, desto deutlicher scheint man sich einem inhaltslosen Abkommen zu nähern, im schlimmsten Fall nur einer politischen Erklärung. Jeder weiss, um was es geht. Vielleicht kommt es ja in letzter Minute noch zu einem wahren Paukenschlag…
10 h 45 : Nach Gerüchten aus dem Pressezentrum sei die Europäische Union ohne weitere Bedingungen bereit, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren. Ziel dieses Zugeständnisses sei, den Weg für weitere Verhandlungen frei zu machen und auch China und die USA zu größerem Entgegenkommen zu bewegen.
9 h 00 : Nach offiziellen Angaben aus dem Elysée-Palast in Paris haben sich die Vertreter von 26 Staaten zu weiteren Beratungen zurückgezogen. Den Gesprächen haben sich Manuel Barroso von der Europäischen Union und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon angeschlossen. Unmittelbar nach seiner Ankunft hat sich auch der amerikanische Präsident Barack Obama in diese Verhandlungen eingeschaltet.
In der letzten Nacht haben die Delegierten von etwa 30 Staaten versucht, ein „politisches Rahmenabkommen“ zu formulieren, so ließ es der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfelt die Presse wissen. Ein Text, der die wesentlichen Kompromisse zusammenfasst und der zwei weitere Vorschläge zur Beratung einleiten soll. An diesem Freitag Vormittag werden auch die Staatschefs über diesen Entwurf diskutieren. Die Vertreter der in der G 77-Gruppe zusammengeschlossenen Entwicklungsländer haben sich in letzter Minute auch auf einen Text verständigen können, der aber nicht allen Erwartungen entspricht. Der Sudanese Lumumba Di-Aping will diesen Text „überarbeiten, korrigieren und zu einem tragfähigen Abkommen“ machen.