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Das Kyoto-Protokoll läuft im Jahr 2012 aus. Es ist daher dringend notwendig eine neue Lösung zu finden, wie die Treibhausgas-Emissionen weiter minimiert werden können. Dies ist das Hauptziel der Konferenz von Cancun, die vom 29. November bis 10 Dezember 2010 stattfindet.

Klimagipfel in Cancún: ein Scheitern mit Ansage?

Der 16. UN-Klimagipfel (COP16) wird vom 29. November bis zum 10. Dezember im mexikanischen Cancún stattfinden. Seit dem Fiasko von Kopenhagen im letzten Jahr herrscht allerdings kein Optimismus mehr. Was nach dem Kyoto-Protokoll kommt, wird sich nicht in Cancún entscheiden.

Ungeachtet der optimistischen mexikanischen Gastgeber haben mehrere vorbereitende Treffen in Bonn (im Juni und im August) und im chinesischen Tianjin (im Oktober) die allgemeine Stimmungslage aufgezeigt. Die 194 teilnehmenden Länder sind nicht einigungswillig und die einst ehrgeizigen Ziele wurden nach unten korrigiert. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hielt es auf einer Konferenz des Europaparlaments im Oktober für unwahrscheinlich, dass in Cancún ein weltweit bindendes Abkommen zustande kommen wird.

Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China, den beiden größten CO2-Produzenten (mit 41 % des weltweiten Ausstoßes), stellt das wesentliche Hindernis bei den Verhandlungen dar. Die zwei Länder werfen sich gegenseitig vor, Fortschritte beim Klimaschutz zu verhindern und fordern beiderseits verbindlichere Zusagen.

Laut Peking sind die Industrieländer für den größten Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich und sollen dementsprechend selbst Maßnahmen zu ihrer Reduzierung ergreifen. China plädiert für eine Regelung, die das Wachstum der Schwellenländer nicht behindert und ihnen mehr Verschmutzung zugesteht als den Industrieländern. Das Land sperrt sich darüber hinaus gegen jedwede internationale Kontrolle seiner Kohlendioxidemissionen.

Kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten hatte Barack Obama deutlich seinen Willen bekundet, mit der politischen Linie von George W. Bush zu brechen und sich der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen die Erderwärmung anzuschließen. Im Juni 2009 war es ihm gelungen, den Kongress von einem umfangreichen Gesetzesentwurf zur Energie- und Klimapolitik zu überzeugen, der die Treibhausgasemissionen durch den Handel mit Emissionsrechten einschränken soll. Durch den Widerstand der Republikaner im Senat kam das Projekt jedoch im Juli 2010 zum Erliegen. Darüber hinaus sind nun, nach der kürzlichen Niederlage der Demokraten bei den Kongresswahlen, die Chancen auf verbindliche Rechtsvorschriften in den USA in den nächsten Jahren gleich null.

Die EU erklärte sich ihrerseits bereit, ihre Emissionen bis 2020 um 30 % zu reduzieren (im Vergleich zu 1990), sollten die anderen Hauptakteure sich auch auf verbindliche Ziele festlegen. Der Europäische Rat hingegen gab sich Ende November pragmatischer und schlug lediglich eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls vor, bei der aber eine weiterreichende Reduzierung jederzeit verhandelbar bleiben solle. Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hält eine internationale Einigung beim Cancún-Gipfel für ausgeschlossen.

 


Letztes Jahr war beim Klimagipfel von Kopenhagen (COP15) keinerlei verbindliche Einigung zwischen den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zustande gekommen. Die Abschlusserklärung war aufs Schärfste kritisiert worden, da sie als einzige Ziele die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2° C bis 2050 und die Einrichtung eines Hilfsfonds für Entwicklungsländer in Höhe von jährlich 100 Milliarden Dollar ab 2020 vorsah. Die Ausführungen zu Maßnahmen, durch die diese Ziele erreicht werden sollen, blieben darüber hinaus äußerst vage.

Kopenhagen 2009

Nur ein “halber Erfolg” oder ein “totales Scheitern” ?

Samstag, 19. Dezember, 14 h 30. Die Präsidentschaft dieses 15. UNO-Klimagipfels in Kopenhagen nimmt die wie mit einer Brechstange verabschiedete Abschlusserklärung offiziell zur Kenntnis. Die 193 in der dänischen Hauptstadt vertretenen Nationen haben zu keiner einheitlichen Haltung führen können. Für die einen handelt es sich um einen Text, dem jede Substanz geraubt wurde, der weit hinter den Hoffnungen und den Forderungen der Klimaforscher zurückbleibt, die dafür plädiert hatten, den Anstieg der globalen Erderwärmung auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

 Barack Obama

Barack Obama

In der dreiseitigen Abschlusserklärung ist dieser Wille durchaus erkennbar, aber die Absicht, den Austoss von Treibhausgasen um 50 Prozent zu verringern, wurde in dem Papier nicht mehr erwähnt. Für die Eperten des Weltklimarates wäre das aber eine zwingende Verpflichtung gewesen. So blieben alle Teilnehmer auf ihren Ausgangspositionen bestehen, ein Durchbruch konnte so nicht erreicht werden. Die bisherigen Zusagen gingen von einer Reduktion der Treibhausgase um 8 bis 12 Prozent bis zum Jahre 2012 aus, Wissenschaftler hatten aber für diese Zeitperiode eine Reduktion von 25 bis 40 Prozent gefordert.

Auch die weitere Behandlun aller Programme, die Entwaldung einzudämmen, wurden in Kopenhagen auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Eine Entscheidung in dieser Frage wäre für den Kopenhagener Gipfel ein Fortschritt gewesen, denn im Kyoto-Protokoll war dieses Problem nicht erwähnt worden. Dabei wussten alle Teilnehmer, dass das Abholzen der Regenwälder ungefähr genauso viel CO2 produziert wie der gesamte Strassenverkehr und die industrielle Produktion zusammen genommen.

Der einzig wichtige Erfolg von Kopenhagen betrifft die finanzielle Hilfe für die Entwicklungsländer, die die zugesagten Mittel für ihre Anpassung an den Klimawandel verwenden sollen. In einem ersten Schritt werden pro Jahr 10 Milliarden Dollar bereit gestellt, mittel- und langfristig soll dieser Summe auf 100 Milliarden Dollar jährlich erhöht werden. Ein signifikanter Schritt der Industrienationen, die offensichtlich nur bereit sind, für die bisher entstandenen Schäden aufzukommen und nicht erwägen, die Ursachen des Klimawandels an ihren Wurzeln zu packen.

Präsident Barack Obama sprach in Kopenhagen von einer “unbefriedigenden” Abschlusserklräung, erkennt aber dennoch einen “Schritt nach vorn” für Länder wie die USA, China, Indien und Südafrika, die sich alle zum erstenmal an die Seite der internationalen Staatengemeinde stellten. Senator John Kerry sieht in der Abschlusserklärung auch ein wichtiges Instrument, um im amerikanischen Senat ein Gesetz über die Reduktion der US-Treibhausgasemissionen durchzusetzen. Jedenfalls habe das Kopenhagener Papier das Ende der “internationalen Streitereien” eingeläutet. Ähnliche Stellungnahmen verlauten aus dem Lager der Europäer, die vom Scheitern der Klimakonferenz nicht sprechen wollen. ” Keine perfekte Abschlusserklärung”, meinte der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo. Er fügte hinzu: ” Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Teilnehmernationen mehr Engagement gezeigt hätten. Aber man kann nicht sagen, dass in Kopenhagen nichts passiert wäre! “

Ban Ki Moon

Ban Ki Moon

Scharfe Reaktionen gibt es nur aus dem Lager der Entwicklungsländer. Ihr Vertreter, der sudanesische Delagtionschef Lumumba Di-Aping ( gleichzeitig auch amtierender Präsident der G77-Gruppe, in der die Entwicklungsländer vertreten sind ) spricht von einem Ergebnis, das vorauszusehen war: eine von den Amerikanern “diktierte Abschlusserklärung”. Für die NGOs, die nichtstaatlichen Hilfsorganisationen ist das Ergebnis des Klimagipfels ein wahren Fiasko. Pascal Husting, Direktor der französischen Greenpeace-Organisation, spricht von einem “Desaster ” und von einem “Rückschritt gegenüber Kyoto”. Die Abschlusserklärung hätte die “Substanz einer Broschüre für Touristen”.

Über die Art und Weise der Verhandlungen in Kopenhagen stellt sich für viele Teilnehmer eine sehr grundlegende Frage: ist die UNO, die eigentlich auf dem Prinzip der Einstimmigkeit von Entscheidungen besteht, die richtige Institution, um über fundamentale Probleme diskutieren zu lassen, die die ganze Menschheit betreffen ? Da es keine erkennbare Alternative gibt, wird wohl auch die in sechs Monaten stattfindende Klimakonferenz in Bonn unter der Schirmherrschaft der UNO stehen. Und die Folgekonferenz in Mexiko natürlich auch, die soll in genau einem Jahr die internationale Klimadebatte fortsetzen. Alle Welt hofft, dass die Teilnehmerstaaten dann etwas mehr “politische Courage” zeigen werden.

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Enttäuschung in der Dritten Welt

Ganz ohne Zeifel haben Barack Obama und Nicolas Sarkozy etwas zu schnell gesprochen. Die in Kopenhagen verkündete Minimalerklärung, die von Vertretern aus 26 repräsentativer Nationen formuliert worden war, steht auch an diesem Samstag im Mittelpunkt der Beratungen in der Vollversammlung des Klimagipfels. Dabei kamen die Spannungen und Meinungsunterschiede in den wichtigen Klimafragen erneut zum Ausdruck

Die Abschlusserklärung findet bei zahlreichen Ländern heftigen Widerstand, vor allem bei Venezuela, Bolivien und Sudan, das im Augenblick die G77-Gruppe präsidiert, in der die Entwicklungsländer organisiert sind. Diese Staaten kritisieren, dass in der Erklärung nicht die Verpflichtung enthalten sei, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren. Ganze Völker seien bedroht. Weiterhin wird im Bella Center auch über die Modalitäten und Strategien diskutiert, wie die Verhandlungen im Jahr 2010 fortgesetzt werden könnten.

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Hochspannung in Kopenhagen – der letzte Tag

Noch ist alles möglich, ein schlechtes oder ein gutes Ergebnis. An diesem letzten Verhandlungstag bietet sich die Chance für ein neues Klimaabkommen.

 

23 h 00 : In der buchstäblich letzten Minute ist es in Kopenhagen bei der 15. UN-Klimakonferenz zu einer Schlusserklärung gekommen, aber nur zu einer sehr entäuschenden. „Unzureichend“ ,nach Barack Obamas eigener Einschätzung. Der amerikanische Präsident selbst hatte den in Kopenhagen erzielten Kompromiss unmittelbar vor seiner Abreise angekündigt. Obama musste auch einräumen, dass der Weg zu einem für alle bindenden Abkommen noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Über das Problem des CO2-Ausstosses soll im kommende Januar erneut diskutiert werden. Einig waren die Delegationen in der Frage, die Erhöhung der globalen Erderwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu beschränken. Ein Versuch in diese Richtung sollte unternommen werden.

20 h 30 : Eine ungewöhnliche Situation : das Gerücht wird verbreitet, dass Präsident Obama eine Pressekonferenz geben wird. Unruhe im Lager von 1000 Journalisten, keiner will diesen Augenblick verpassen. Viel Unruhe, Gewühl und Gedränge am Eingang des Auditoriums. Panik bei den Sicherheitskräften….alles umsonst. Die Quelle der Gerüchte war wohl nicht sehr seriös. Es wird angekündigt, dass die Gespräche um 23 Uhr, nach dem offiziellen Abendessen fortgesetzt werden sollen. Neue Informationen wird es wohl erst in den frühen Morgenstunden geben.

19 h 15 : Kleiner Hoffnungsschimmer am Ende dieses Tages. Barack Obama und Wen Jiabao haben sich für den Abend zu einer neuen Gesprächsrunde verabredet. Nach ihrer ersten Unterredung am Nachmittag war aus beiden Delegtionen zu hören, dass es Fortschritte gegeben hätte. Der russische Präsident Dmitri Medvedev hat Kopenhagen bereits verlassen, er überlässt es seinem Chefunterhändler den weiteren Verlauf der Klimagipfels zu beobachten.

18 h 00 : Barack Obama ist immer noch im Bella Center. Der amerikanische Präsident wollte ursprünglich nur etwa fünf Stunden in der dänischen Hauptstadt bleiben. Nun sitzt er mit den anderen in der Falle, weil dieser Gipfel hier nicht von der Stelle kommt und wohl nicht auf ein erfolgreiches Ende zusteuert. Offiziell hätte diese 15. Klimakonferenz schon vor wenigen Minuten beendet sein müssen. Aber noch immer diskutieren einige Staatschefs über den Text einer politischen Erklärung, die nur noch sehr wenige verbindliche Elemente enthalten wird. Selbst die Absicht, bei der Folgekonferenz in Mexiko im Jahre 2010 weitere Schritt nach vorne zu gehen, scheint nun nicht mehr in der Abschlusserklärung enthalten. Ein schlechter Abschluss oder überhaupt kein Abschluss hier in Kopenhagen ? Das Ergebnis scheint hier zur Stunde festzustehen : es wird kein Übereinkommen geben

17 h 00 : Die Gesprächsrunden zwischen” Gruppen mit gleicher Interessenslage” werden hinter verschlossenen Türen fortgesetzt. Parallel dazu führen zahlreiche Staatschefs Verhandlungen unter vier Augen. Im Pressezentrum stellt man sich auf neue Wartezeiten ein, kaum einer glaubt noch an den großen Paukenschlag. Nach den sehr wenigen Informationen, die im Umlauf sind, soll der neue Vorschlag für ein Abschlussabkommen nicht mehr den Passus enthalten, dass im Laufe des Jahres 2010 in den einzelnen Ländern eine verbindliche Klima-Gesetzgebung erfolgen muss. Man erwartete einen Schritt nach vorne, um doch noch eine Unterzeichnung des Schlussprotokolls zu erreichen. Jetzt besteht wieder das Risiko, dass es eher einen Schritt zurück geben wird.

15 h 30 : Nicolas Sarkozy nutzt eine Unterbrechung der Plenarsitzung, um mit den Journalisten im Bella Center zu sprechen. Für ihn sei klar, dass China die Verhandlungen blockiere, „ weil es ein Land ist, das Schwierigkeiten damit hat, der Einrichtung von Kontrollmechanismen zuzustimmen“. Der Pekinger Führung wird von allen Industrienationen vorgeworfen, die ganze Welt über seinen tatsächlichen CO2-Ausstoss im Unklaren zu lassen. Im übrigen ist aus Elyséekreisen zu hören, dass für diese Nacht für weitere Hotelunterkünfte gesorgt worden sei. Wird der Klimagipfel tatsächlich in eine Verlängerung gehen?

14 h 30 : Die französische Europaabgeordnete Sandrine Bélier berichtet am Telefon von ihrer großen Enttäuschung. Sie hat den Kopenhagener Klimagipfel bereits verlassen, unmittelbar nach der Rede von Präsident Barack Obama.

A défaut de refroidir le climat, le manque d'ambition américain a quelque peu refroidi l'ambiance au Bella Center

„ Wenn die Amerikaner nicht ehrlich mit uns umgehen, was haben wir dann hier noch zu suchen? „ Und sie fügt hinzu: „Die Zahlen der Amerikaner sind lächerlich, sie hätten besser geschwiegen“. Und Sandrine Bélier fragt auch, „warum sich die Europäische Union auf eine Reduktion von 20 Prozent festgelegt hätten, die je nach den Angeboten der anderen Delegationen auf 30 Prozent erhöht“ werden könnten. Dieser Klimagipfel steuert auf ein Scheitern zu. Bélier vergleicht: „ Nehmen Sie eine internationale Konferenz über Sicherheit im Straßenverkehr. Alle sind sich darüber einig, dass die Geschwindigkeit begrenz werden muss….aber im Endeffekt kann man sich nicht entscheiden, wo genau die Begrenzung liegen soll“. Und noch eine Stimme aus Europa: Kommissionspräsident José Manuel Barosso scheint sich auch mit einem Scheitern des Gipfels abgefunden zu haben. Er schlägt vor, weiter in die Zukunft zu schauen „ und an Mexiko 2010 zu denken“, dort soll im kommenden Jahr ein weiterer UN-Klimagipfel folgen.

13 h 45 : Meles Zenawi, Ministerpräsident von Äthiopien, berichtet von den Risiken, die seinem armen Land drohen. Für ihn darf der Klimagipfel nicht scheitern, das wäre „ ein Völkermord durch unterlassenes Handeln“. Dem schließt sich auch Jacob Zuma an, er ist der Präsident Südafrikas. „Die historische Verantwortung geht zu Lasten der Industrienationen, die 80 Prozent aller Schadstoffe produzieren und ausstoßen“. Zuma fordert „ein verbindliches Abkommen für alle unter Berücksichtigung des Schadstoffausstoßes jedes einzelnen Landes“.

12 h 45: Nein, Präsident Obama wird diese Klimakonferenz nicht retten. Vor den anderen Staats- und Regierungschefs hat er vorerst nur seine Bereitschaft erklärt, gegen den Klimawandel anzukämpfen. Er sagte: „Es geht hier nicht um Fiktion, es geht um Wissenschaft“. Man wäre beinahe versucht, diesen Klimagipfel „COP 15 „ in der Kategorie schlechte Science Fiction abzuheften. Der Friedensnobelpreisträger hat die drei Leitmotive der amerikanischen Politik unterstrichen: Klimadämpfung, Transparenz und Finanzierung. Aber auch er hat nicht die entscheidenden Worte gesagt, die hier zu einem Durchbruch führen könten.

12 h 30 : Am Rednerpult lässt der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao keinen Zweifel am “Verantwortungsbewusstsein” und der “Entschlossenheit” seines Landes.

Das Auftreten des chinesischen Ministerpräsidenten sorgt im Pressezentrum für einige Verwirrung.

Das Auftreten des chinesischen Ministerpräsidenten sorgt im Pressezentrum für einige Verwirrung.

China habe ” bedingungslose Konditionen” akzeptiert und erwarte nun eine ähnliche Haltung der übrigen Nationen. Mit anderen Worten: China ist nicht zu einer Veränderung seiner Position gegenüber den USA  bereit, die hier in ganz ähnlicher Weise auftreten. Gegenüber dieser Blockadepolitik der beiden Großmächte hat der brasilianische Präsident Lula seiner “Frustration” freien Lauf gelassen. In scharfen Worten sagte er: ” Je länger wir über Klimafragen reden, je klarer wird uns, dass die Probleme viel gravierender sind, als wir uns das alle vorgestellt hatten”. Soll das heißen: je länger verhandelt wird, desto unwahrscheinlicher wird eintragfähiges Abkommen ?

12 h 00 : Eröffnung der heutigen Plenarsitzung. Der dänische Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen erinnert alle Teilnehmer an ihre “moralische Verpflichtung” und fügt hinzu: “Wir kommen nicht alle Tage zusammen, um unsere Welt zu verändern” ! Ban Ki Moon, der UNO-Generalsekretär versucht sich in Überredungskünsten, verbreitet Zuversicht und meint: ” Wir waren einem Abkommen noch nie so nahe. Wir müssen nur noch ein paar Gräben überwinden”.

11 h 30 : Die Zeit scheint angehalten, im Bella Center. Keine weiteren Gerüchte, nichts bewegt sich. “Haben Sie Geduld” mahnt Connie Hedegaard, die dänische Umweltministerin und ehemalige Präsidentin dieser Klimakonferenz. Je mehr Zeit vergeht, desto deutlicher scheint man sich einem inhaltslosen Abkommen zu nähern, im schlimmsten Fall nur einer politischen Erklärung. Jeder weiss, um was es geht. Vielleicht kommt es ja in letzter Minute noch zu einem wahren Paukenschlag…

10 h 45 : Nach Gerüchten aus dem Pressezentrum sei die Europäische Union ohne weitere Bedingungen bereit, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren. Ziel dieses Zugeständnisses sei, den Weg für weitere Verhandlungen frei zu machen und auch China und die USA zu größerem Entgegenkommen zu bewegen.

9 h 00 : Nach offiziellen Angaben aus dem Elysée-Palast in Paris haben sich die Vertreter von 26 Staaten zu weiteren Beratungen zurückgezogen. Den Gesprächen haben sich Manuel Barroso von der Europäischen Union und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon angeschlossen. Unmittelbar nach seiner Ankunft hat sich auch der amerikanische Präsident Barack Obama in diese Verhandlungen eingeschaltet.

In der letzten Nacht haben die Delegierten von etwa 30 Staaten versucht, ein „politisches Rahmenabkommen“ zu formulieren, so ließ es der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfelt die Presse wissen. Ein Text, der die wesentlichen Kompromisse zusammenfasst und der zwei weitere Vorschläge zur Beratung einleiten soll. An diesem Freitag Vormittag werden auch die Staatschefs über diesen Entwurf diskutieren. Die Vertreter der in der G 77-Gruppe zusammengeschlossenen Entwicklungsländer haben sich in letzter Minute auch auf einen Text verständigen können, der aber nicht allen Erwartungen entspricht. Der Sudanese Lumumba Di-Aping will diesen Text „überarbeiten, korrigieren und zu einem tragfähigen Abkommen“ machen.

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Kopenhagen im Stundentakt

Auf der Schlussgeraden dieser Verhandlungen bewegen sich die Dinge an diesem Donnerstag sehr schnell. Die Überraschungen häufen sich. Beobachten wir diesen Donnerstag im Stundentakt.

 

20 h 30 : Die Bilanz dieses Tages : viel ist heute gesagt , aber nur wenig in die Tat umgesetzt worden. Trotz der zahlreichen Aufrufe, endlich zu handeln. Die USA und China haben sich in kleinen Schritten bewegt, die waren aber nicht ausreichend, die noch bestehenden Barrieren aus dem Weg zu räumen. Die Europäische Union hat eine Stellungnahme veröffentlichen lassen, die das Stocken der Verhandlungen bedauert. Jetzt bleiben den Delegationen noch genau 24 Stunden, um sich auf ein gemeinsames Protokoll zu verständigen. Wie erwartet wird der morgige Freitag von entscheidender Bedeutung sein.


16 h 45: Nicolas Sarkozy ist erregt, er bringt die Wände des Bella Centers zum Zittern. „Ein Scheitern wäre eine Katastrophe, für alle von uns. Ein Scheitern ist absolut verboten“. Der französische Staatschef hat für den Abend eine Sondersitzung gleich nach dem offiziellen Essen vorgeschlagen. Applaus bekam er auch für sein Einstehen für die armen Länder, vor allem in Afrika. An die Adresse der Afrikaner richtete er sehr klare Worte: „ Lassen Sie sich dieses Abkommen, das Sie brauchen, nicht stehlen „! Etwas „theatral““ und etwas „schwülstig“ , so die Reaktion meines Nachbarn, ein Österreicher. „Aber das brauchen wir genau in diesem Augenblick“.


16 h 30 : Der brasilianische Präsident Luis Ignacio Lula da Silva findet es „inakzeptabel, dass die Länder, die am wenigsten am Klimawandel beteiligt sind, die ersten Opfer sein sollen“. Schöne Absichtserklärungen sind vom Rednerpult zu hören, aber die Verhandlungen stecken noch immer in der Sackgasse. Patrick Manning, der Ministerpräsident von Trinidad und Tobago versucht, die Konferenzteilnehmer zur tristen Realität zurückzuführen. „ Für viele Länder ist das hier ein schwieriger diplomatischer Vorgang, aber für einige, die verwundbarsten unter uns, geht es hier um Leben oder Tod“ !

 

15 h 50 : Ein Aufatmen der Erleichterung im Plenarsaal. Mahmoud Ahmadinejad hat sich zu keinen weiteren Provokationen hinreißen lassen, die so seine Art sind. Er macht die „Konsumgesellschaft“ für den Klimawandel verantwortlich und schlägt vor, „einen Teil der Rüstungsausgaben der Industrienationen zur Bekämpfung des Klimawandels einzusetzen“. In einem Atemzug rechtfertigte er die Absicht des Iran, die Nukleartechnologie zu nutzen. Für ihn sei das eine „grüne Energie“.

 

15 h 15 : Angela Merkel will nicht, dass die Delegationen in ihre Länder zurückkehren, um dort zu erklären, warum die Verhandlungen gescheitert sind. Die Bundeskanzlerin unterstreicht die Anstrengungen der Europäischen Union, die „ verstärkt werden können, wenn andere Industriestaaten folgen“. Sie fordert „ein verbindliches, globales Abkommen, weil der Klimawandel global sei“. Ohne die finanzielle Hilfe der Industriestaaten für die Anpassung der armen Länder an den Klimawandel „ wird die Armut der einen unweigerlich zur Armut der anderen“.

 

14 h 30 : Wie schon in seiner Pressekonferenz vom Mittwoch feuert Evo Morales eine neue Salve gegen den Kapitalismus ab, der allein für den Klimawandel verantwortlich sei. Diese Position des bolivianischen Präsidenten dokumentiert den Kampf, der sich zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern abspielt. Diese fühlen sich durch verschiedene Verhandlungspositionen bedroht und führen deshalb einen wahrhaftigen Kampf.


12 h 00 : Pressekonferenz der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton. Präsident Obama scheint ein Abkommen anzustreben.

 

11 h 00 : Der Ministerpräsident Australiens ruft jeden zur Verantwortung auf, „keiner sei mit sauberen Händen „ nach Kopenhagen gekommen. Auch Gordon Brown drängt auf einen erfolgreichen Abschluss : „ Es genügt nicht, etwas besser zu machen, wir müssen das Notwendige tun“ ,ruft er in den Plenarsaal.


10 h 30 : Auf dieser Schlussgeraden überwiegen die pessimistischen Stimmen. China kündigt an, dass es keine Chance mehr für ein Kopenhagener Klima-Abkommen sehe. Schon vor seiner für diesen Freitag angekündigten Ankunft hat Präsident Obama verlauten lassen, dass von Amerika keine tragfähige Lösung zu erwarten sei. An die Adresse der Konferenzteilnehmer sagte er: „ Sie erwarten von Präsident Obama, dass er zum Abbau der Spannungen weitere Anstrengungen gegen die Treibhausgase unternimmt….Darauf sollte keiner wetten “!

Live aus Kopenhagen

Journalisten in Bedrängnis

Für Journalisten ist es im Bella Center mittlerweile schwierig, korrekt ihrer Arbeit nachzugehen. Die Zugänge sind zu aller Verdruss geschlossen und der Übereifer der Sicherheitskräfte verbietet jeglich Bewegungsfreiheit.  Inzwischen sind die strengsten Einschränkungen aufgehoben, aber wie lange wird das so bleiben ?

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Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Mehr als nur eine Revolte…

Es ist eine Revolution ! Heute lag die Stimmung einer marxistischen Guerilla über dem Bella Center. Der Schatten Che Guevaras über Kopenhagen ? Urteilen Sie selbst…

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Die Revolution geht weiter, jetzt wird sie zur Palastrevolution : die Präsidentin der Klimakonferenz, die Dänin Connie Hedegaard ist zurückgetreten, sie wird vom dänischen Ministerpräsidenten Lars Loekke Rasmussen ersetzt. Connie Hedegaard beklagt weiter den schleppenden Verlauf der Beratungen, ihr Rücktritt habe aber protokollarische Gründe. Denn nun gelange man zum politischen Teil des Gipfels mit den Staats- und Regierungschefs. Da sollte doch besser einer von ihnen die Debatte leiten, wie hier erklärt wird. Richtig bleibt aber, dass die Präsidentschaft von Connie Hedegaard stark kritisiert wurde. Man hält ihr vor, mit einer sehr europäischen Sicht der Dinge die Konferenz geleitet zu haben, dem Abschlussprotokoll sollte eine sehr dänische Note verpasst werden. Die armen Länder aus der G 77-Gruppe und China hatten der Dänin vorgeworfen, als „versteckter Gesandter der USA „ zu operieren.

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Polizei in Alarmbereitschaft

Die Protestrufe sind inzwischen bis zu den Delegierten vorgedrungen. Genau dies wollten die Organisatoren der Vereinten Nationen um jeden Preis verhindern. Bisher hatten sie Erfolg damit. Aber man erstickt nicht so einfach das Geschrei der Massen, obwohl aus dem Bella Center inzwischen ein wahrer Bunker geworden ist.

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Letzte Meldung: die Demonstranten, die Sie im Film sahen, haben das Bella Center verlassen. Sie haben sich einer anderen Gruppe angeschlossen. Ich kann ihnen nicht folgen, weil ich anschließend nicht mehr hierher zurück kann. So geht es auch den offiziellen Delegierten, die das Gebäude für ihr Mittagessen verlassen hatten. Sie bleiben ausgesperrt. Die dänische Polizei ist in Alarmbereitschaft. Wie wir von Kollegen vor dem Gebäude hören, hat die Polizei 100 Demonstranten auch unter Gewaltanwendung festgenommen. Außerdem geht das Gerücht, das NGO-Vertreter ab sofort das Bella Center nicht mehr betreten dürfen.

 

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Der neue Look

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Wenn er nicht gerade als Mannequin auftritt, kümmert sich Paul Vaigafa um sein Recycling-Unternehmen, das er „Aufladestation“ genannt hat. Er ist hier, um von sich und über sich zu reden und dafür hat er ein ideales Mittel gefunden. Sein farbenprächtiges Patchwork-Kostüm erregt in Kopenhagen größtes Aufsehen….mal was anderes als immer nur Anzug und Krawatte.

Damien Wanner

Live aus Kopenhagen

Schwarzenegger, Star in Kopenhagen

Nachdem sich die Gerüchte, Präsident Obama werde sich für ein verpflichtendes Abkommen einsetzen in Luft aufgelöst haben, hat ihm ein anderer Amerikaner die Schau gestohlen. Heute hatten alle nur Augen für Arnold Schwarzenegger. Der Muskelmann will seinen Staat Kalifornien wieder grün werden lassen, er plädiert dafür, dass Umweltschutz in den Kommunen beginnt. Das hätte den Vorteil, dass nichts vom Willen der Staaten abhinge, die hier noch immer in schwierigen Verhandlungen stecken. Über diese Information und andere Themen gleich mehr in unserer Sondersendung aus Kopenhagen.


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Um die Delegationen im Bella Center zu bewegen, braucht es aber mehr als nur einen Filmstar. Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen und Gastgeber dieses Klimagipfels, hat sich nach Kopenhagen bemüht, um an die Verantwortung aller Delegierten zu appellieren. „ Es ist nicht mehr die Zeit, mit dem Zeigefinger zu operieren. Wir sollten vielmehr gemeinsam in einen Spiegel schauen, die Reichen und die Armen und uns fragen, was jeder beitragen kann“. Dieser Aufruf soll Meinungsunterschiede überwinden. Nur so kann man am Freitag mit einem zufriedenstellenden Abschlussprotokoll rechnen.

Damien Wanner